Case Studies.

Interimsmanagement & Insolvenz

Große Lieferrückstände beim Kunden, drohender Bandstillstand, keinerlei Überblick über Produktion und Lager und ein fehlerbehaftetes, nicht aussagefähiges ERP System.

Alle diese Punkte führten im Herbst 2019 zum Einsatz einer Task Force bei einem Automobilzulieferer, initiiert durch einen großen deutschen OEM. Als Teil dieser Task Force konnten wir rasch einen Einblick erlangen, welche internen Ursachen zu diesen Problemen führten. Es gab neben offensichtlichen Unterlieferungen auch zahlreiche Falschlieferungen, sowie jede Menge Reklamationen durch falsche oder fehlende Teilkomponenten an den Fertigteilen. Auch die Rückmeldungen der Kundenreklamationen, sowie die saubere Datenübertragung und Quittierung der IT-Aufträge war eine häufige Ursache.
Die fehlenden Regelprozesse, sowie ein nicht gepflegtes ERP-System und sehr viele neue, ungeschulte Mitarbeiter verschärften das anstehende Desaster. Die Task Force durfte in ihrer Funktion allerdings nur beratend auf das Management des Zulieferers einwirken. Die letztendlichen Entscheidungen wurden weiterhin durch die Geschäftsleitung getroffen. Wir berichteten unserem Auftraggeber (OEM) stetig über den aktuellen Stand, die Entwicklungen, vorgeschlagene Maßnahmen und die Auswirkungen. Einige Verbesserungen wurden sofort angenommen, wie z.B. die vollständige Lagerinventur, die neue Struktur im Außenlager nach FiFo Prinzip und eine zeitlich begrenzte Kontrollfunktion beim Wareneingang der Fertigteile in den Lagerbereich. Andere Punkte, wie z.B. die Ertüchtigung des SAP-Systems, ein abrufgesteuerter Produktionsplan sowie vorrausschauende Einkaufsaktivitäten oder transparente Kundenkommunikation wurden seitens Geschäftsleitung allerdings konsequent ignoriert. Aufgrund ständig wachsender Kosten durch Sonderfahren für Teilelieferungen, kurzfristige Beschaffung von nicht eingeplanten Rohstoffen und Zukaufteilen, sowie steigender Reklamationskosten geriet das Unternehmen weiter in Schieflage und musste Anfang 2020 Insolvenz anmelden.

Nach der Übernahme durch den Insolvenzverwalter endete unsere Beauftragung als Teil der Task Force und wir übernahmen das Interim Management am selben Standort mit neuen Zielvorgaben. Basierend auf den bis dahin gewonnenen Einblicken konnte unmittelbar dem Involvenzverwalter und den Kunden ein klarer Maßnahmenkatalog vorgelegt werden. Die Kernaufgabe war, das Unternehmen ziel- und ergebnisorientiert schnellstmöglich auf stabilen Kurs zu bringen.

Das Unternehmen produziert für die Automotiv-Branche Ein- und Zweikomponenten-Kunststoffteile, die teilweise mit diversen Zukaufteilen wie Klammern, Dichtungen oder Clips, an der Maschine oder in der Montage finalisiert werden. Da wie bei so vielen anderen Unternehmen nur auf ein Geschäftsfeld aufgebaut wurde, musste also alles getan werden, um die Kunden wieder rechtzeitig und vor allem in der richtigen Qualität zu beliefern.

Aufgrund der schlechten Basisdaten, die uns zur Verfügung standen, konnte nicht auf die vorhandene Peripherie zurückgegriffen werden. Gemeinsam mit einem sehr kompetenten Partnerunternehmen wurde in sehr kurzer, aber intensiver Zeit, eine Schattenplanung aufgesetzt, die auf eigenständig programmierte Datenbanken und Excelfiles basierte. Diese Daten wurden in kürzester Zeit, mit der gesamten Belegschaft per Inventur der Bestände und Lagerplätze aller Rohstoffe, Zukaufteile sowie Halb- und Fertigteilen, erhoben. Gleichzeitig wurden Zykluszeiten an den Maschinen verifiziert und Montagezeiten ermittelt, um einen sinnvollen abrufgesteuerten Produktions- und Montageplan zu erstellen. Basierend auf diesen Daten war die Planung der benötigten Ressourcen an den Maschinen, sowie der Montage- und Lagermitarbeiter realisierbar. Nachdem die notwendige Stabilität erreicht wurde, konnte das Personal in die neue Prozesslandschaft eingebunden werden. Es wurden Regelprozesse wie z.B. ein tägliches Shopfloor Meeting, Ausschuss- und Reklamationsbesprechungen und der tägliche EPK (Einkaufs-Produktionskreis) eingeführt. Im Zuge des Shopfloor Management fanden diverse Aufräumaktionen statt.
Teile, die nicht mehr verwertbar waren, wurden entsorgt und Bodenmarkierungen und sonstige eigentlich normalerweise vorhandene Visualisierungen angebracht. Zusammen mit den Kollegen vor Ort wurden diverse Optimierungen und Verbesserungen in Punkto Effizienz und Prozesssicherheit identifiziert und umgesetzt. Dank vorausschauender Planung konnten ausreichend Rohmaterialien und Zukaufteile beschafft werden um den Kundenrückstand, in der Zeit als alles rund um das Unternehmen durch Corona Maßnahmen verursacht stillstand, mit voller Mannschaft abzubauen. Die final zurückgeholten ausgelagerten Produkte und Werkzeuge, tragen positiv zur Erhöhung der Wertschöpfungstiefe am Standort bei. Um die Investoren entsprechend zu empfangen, wurde ein finales House Keeping an dem nun geregelt laufenden Standort durchgeführt. Unsere Aufgabe neigt sich somit langsam dem Ende zu, wir hoffen nun auf eine rasche Übernahme durch einen Investor, der den Standort in eine positive Zukunft führen wird.

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